Etwa elf Millionen Deutsche zwischen 18 und 64 Jahren konsumieren regelmäßig Nikotin. Etwa vier Millionen davon gelten als nikotinsüchtig. Dabei hat der Konsum von klassischen Tabakprodukten wie Zigaretten oder Zigarren in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Dies wird aber teilweise durch Ersatzprodukte wie Vapes und E-Zigaretten ausgeglichen, die sich vor allem bei jungen Menschen wachsender Beliebtheit erfreuen. So hat der Konsum von E-Zigaretten zwischen 2016 und 2023 um immerhin 38 Prozent zugenommen. Da das Nikotin hier sehr schnell freigegeben wird, führt das zu vermehrter Nikotinsucht bei den unter 25-Jährigen. Auf diese Weise sterben in Deutschland leider immer noch jährlich etwa 130.000 Menschen an den Folgen des Nikotinkonsums.
Wie bei anderen Drogen auch, wird Nikotin häufig konsumiert, um die Stimmung aufzuhellen, und sich von Stress und Problemen abzulenken. Da das Nikotin sehr schnell ins Gehirn gelangt, wirkt es fast sofort – was unmittelbar zu Genuss und Entspannung führt. Diese Wirkung lässt aber auch sehr schnell wieder nach, sodass man schon bald die nächste Zigarette benötigt. Nicht umsonst sagen viele Raucher: „Die erste Zigarette am Tag ist die beste!“ Das zeigt, dass man im Grunde ständig gegen den Entzug kämpft, der einsetzt, sobald die Drogenwirkung nachlässt.
Dabei bewirkt Nikotin eine Kombination aus psychischer und biologischer Abhängigkeit. Gehirn und Körper werden durch den ständigen Drogenkonsum konditioniert. Um davon wieder loszukommen,muss man zunächst den zugrundeliegenden Suchtmechanismus verstehen. Die Herausforderung dabei ist das „Craving“, die beim Entzug einsetzende Suchtwelle zu überwinden. Da hilft nur emotionale Selbstregulation. Denn die Craving Wave dauert nur wenige Minuten. Die gilt es auszuhalten – zum Beispiel mithilfe von Atemübungen. Wenn man das schafft, reguliert sich der Dopaminhaushalt anschließend wieder von selbst. Langfristig ist es erforderlich, Verhaltensweisen zu etablieren, die das Glücksgefühl des Drogenkonsums auf andere Weise erzeugen. Nur so kann man sich stabil entwöhnen.
Leider ist das für viele Süchtige leichter gesagt als getan. Daher ist es manchmal erforderlich, professionelle Hilfe anzunehmen. Glücklicherweise gibt es eine große Bandbreite an Hilfsangeboten – von ambulanter Verhaltenstherapie bis hin zu stationärer Entwöhnung in speziellen Kliniken. Begleiten kann man diesen Prozess durch frei erhältliche Nikotin-Ersatz-Präparate wie Pfl aster, Kaugummis oder Lutschtabletten.
Am besten ist aber, Sie fangen gar nicht erst mit dem Rauchen an.
Ihr Hilal El Abed
Klinik Königshof
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